#WELCOMETOTHEREALWORLD

GRUPPENAUSSTELLUNG MIT LUKASZ CHROBOK, ASTRID EHLERS, ISABELL KAMP, MAREN SCHIMMER, NIKE SCHRÖDER & JENNI TIETZE

ERÖFFNUNG: FR. 6. APRIL, 19:00 - 23:00

ARTIST TALK: DO. 26. APRIL, 18:30

„Wie ist alles so wahr daß sich nicht leicht jemand gegen sein Zeitalter retten kann!“ notiert Johann Wolfgang Goethe 1825 in einem Brief an seinen langjährigen Freund, den Komponisten Carl Friedrich Zelter. Und hätte Goethe bereits gewusst, wie herrlich sich die Dinge via Hashtag auf den Punkt bringen lassen, dann wären seine Zeilen untermalt gewesen mit #Zeitstrudel #Reichtum #Schnelllebigkeit, denn im gleichen Brief konstatiert er mit Weitblick: „Junge Leute werden viel zu früh aufgeregt und dann im Zeitstrudel fortgerissen; Reichthum und Schnelligkeit ist was die Welt bewundert und wonach jeder strebt […]“.

Knapp zwei Jahrhunderte später ist Goethe aktuell wie nie: Instagram, Facebook, Twitter und Co. zeigen uns Bilder einer Welt, die so weder real noch beständig ist. Eine Welt, deren Haptik sich auf die Oberfläche eines kühlen gläsernen Display beschränkt. Sinnliche Qualitäten sind hier Mangelware, ein Defizit, das gerade die Kunst erspürt und hinterfragt. Die Ausstellung #WelcomeToTheRealWorld vereint 6 künstlerische Positionen, die sich mit dem „In-der-Welt-Sein“ auseinandersetzen. Hier wird geformt, gecuttet, geschnitten, gepinselt, Farbe gerührt, mit der Radiernadel akkurat Strich neben Strich gesetzt und vor allem – sich Zeit gelassen. Von Tagen über Wochen bis hin zu mehreren Monaten dauern die Werkprozesse die hier vereint werden und so eine immense Masse gebündelter Zeit in einem einzigen Raum zusammenführen. Zeit, die erlebbar, erfahrbar, erfühlbar ist. Welcome to the real world, einer Welt, die sich seit Jahrmillionen mit gleicher Geschwindigkeit dreht und dich von digitaler Raserei nicht beeindrucken lässt…

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AUSSTELLUNG LÄUFT BIS ZUM 30. MAI 2018

GUDBERG NERGER GALLERY, POOLSTRASSE 8, 20355 HAMBURG
MO – FR 10:00 – 18:00, SA 12:00 – 18:00

LUKASZ CHROBOK

Lukasz Chrobok, geboren 1976 in Dabrowa Gornicza in Polen, studierte nach Künstlerassistenzen bei Will Mc Bride und Peter Reitberger an der Hochschule für angewandte Wissenschaften in Hamburg Fotografie. Dort setzte er sich auch intensiv mit Malerei auseinander, die heute, neben der Fotografie, raumbezogenen Installationen und Videos, zum Spektrum gehört, in welchem seine Kunst stattfindet. In seiner Malerei beschäftigt er sich mit den Möglichkeiten des Farbauftrags und der Plastizität des Bildes. Aufgeklebte ausgecuttete Flächen erweitern das Bild in den Raum hinein, verleihen den abstrakten Formen eine dreidimensionale Präsenz, die über die reine Illusion hinausgeht. Lukasz Chrobok lebt und arbeitet in Hamburg.

ISABELL KAMP

Isabell Kamp, geboren 1980 in Bonn, studierte an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart. Keramik ist das Medium, aus welchem sie faszinierende Plastiken von höchster technischer Perfektion und inhaltlichem Tiefgang formt. Zwischenmenschliche Kommunikation und deren Scheitern sind die Themen dieser Werke, die sich formal immer auf den Menschen beziehen. Der faszinierenden Ästhetik der Arbeiten haftet immer auch eine Spannung an, die aus der Ambivalenz des Materials heraus entsteht, das einerseits hart und doch äußerst fragil ist. Isabell Kamp lebt und arbeitet in Hamburg.

NIKE SCHRÖDER

Nike Schröder, geboren 1981 in Hamburg, studierte Kunst und Kunsttherapie an der Fachhochschule Ottersberg. In ihren textilen Arbeiten zeichnet sie mit Nadel und Faden Werke von sinnlicher Schönheit. Die figurativen Stickereien erzählen von Momenten, die dem Familienalbum entnommen sein könnten: ein Gruppenfoto, ein Einzelportät, die Eltern, die in die Kamera lächeln. Einerseits sind die Werke narrativ, andererseits durch die losen Fäden offen – der Erzählfaden kann im wahrsten Sinne des Wortes vom Betrachter weitergesponnen werden. Nike Schröder lebt und arbeitet in Los Angeles, Kalifornien.

ASTRID EHLERS

Astrid Ehlers, geboren 1985 in Hamburg, studierte an der Hochschule für Bildende Künste Hamburg bei Matt Mullican. Ihr Werk zeichnet sich durch seine grafische Meisterschaft aus – in ihren Radierungen und Zeichnungen entstehen akkurat und Strich für Strich Abbilder subjektiver Wirklichkeit. Gerade den banal wirkenden Dingen schenkt sie dabei ihre Aufmerksamkeit und tastet sie mit einem philosophisch-phänomenologischen Blick von allen Seiten ab: Was genau sehe ich, wie nehme ich es war, was bedeutet es und was könnte es bedeuten, wenn wir das große Ganze mitdenken? So kann ein Seil zum Sinnbild des sich windenden Denkens werden und das Kleine zu etwas Universalem, Großen. Astrid Ehlers lebt und arbeitet in Hamburg.

MAREN SCHIMMER

Maren Schimmer, geboren 1983 in Henstedt-Ulzburg, studierte an der Hochschule für bildende Künste Hamburg bei Werner Büttner, Hanne Loreck und Wiebke Siem. Aus in langwierigen Prozessen aufgetragenen Schichten von Buntstift, Aquarellfarbe und Deckweiß entstehen in ihren Malereien spannungsreiche Bildräume. Teils von geometrischen Formen bevölkert, teils von Fragmenten eines Ornaments durchzogen, spielen sie mit den Dimensionen und der Perspektive. Immer wieder entstehen Kippmomente, in denen Ungewissheit über Vorne und Hinten, über die Räumlichkeit und das „im Raum“ evoziert werden. Denn was genau meinen wir, wenn wir von Raum sprechen? Die Künstlerin verleiht dem, was in den Räumen ist, was wir nicht sehen und was doch den Raum bildet, in ihrer Malerei Gestalt. Maren Schimmer lebt und arbeitet in Hamburg.

JENNI TIETZE

Jenni Tietze, geboren 1968 in Celle, studierte an der Hochschule für Bildende Künste Hamburg. Aus den analogen Animationsfilmen sprang die Idee des Ausschneidens, des ‚Cuttens’ auf ihr zeichnerisches Werk über. Filigrane Gebilde freischwebender Linien entstehen in akkurater Kleinstarbeit. Die freigelegten Linien bringen die Zeichnung in den Raum hinein, sie lassen sie zu etwas physisch Erfahrbarem werden. Zu den Cut Outs gesellen sich in den neueren Arbeiten zunehmend auch Collagen. Teile werden nun aus unterschiedlichen Zeitschriften nach Farbe oder Muster herausgeschnitten und zu neuen, ebenfalls durch ihre Kleinteiligkeit bestechende Bildern zusammengefügt. Jenni Tietze lebt und arbeitet in Hamburg.